Politik und bürgerliche Massenmedien versuchen uns krampfhaft davon zu überzeugen, dass es nur ein Israel gibt. Tatsächlich hat es schon immer mehrere Israels gegeben, wie zB die Spaltung in liberales und orthodoxes Judentum zeigt oder auch die systematische Benachteiligung von Jüd*innen, die aus dem arabischen Raum nach Israel migrierten, und der arabischen Israelis belegt. Ganz besonders gespalten ist das Land in der Frage des Vorgehens der reaktionären Regierung von Netanjahu in Gaza. Wir haben daher einen Newsletter vom 19.10.2025 einer der vielen Friedensinitiativen in Israel selbst – des Refuser Solidarity Network, das sich für Kriegsdienstverweigerer*innen einsetzt – für euch übersetzt, damit ihr euch unabhängig von der im sog. Westen veröffentlichten Meinung selbst eine bilden könnt.
Hier ist Atalya. Ich bin eine Verweigerin, die 2017 den Militärdienst abgelehnt hat und 110 Tage im Gefängnis verbracht hat. Wir sollten alle über die Nachricht von einem unvollkommenen Waffenstillstand überglücklich sein, vor allem weil die Palästinenser*innen in Gaza wieder aufatmen können. Noch mehr sollten wir den weltweiten Ausbruch der Solidaritätsbewegung für Palästina feiern, die diesen Waffenstillstand erzwungen hat, indem sie den Widerstand gegen den israelisch-amerikanischen Völkermordangriff auf Gaza in den letzten Wochen eskaliert hat. Es gab die Sumud-Flottilla, die Unruhen in Italien und hier vor Ort Anfang dieses Monats eine Gruppe israelischer Aktivist*innen – Freund*innen, Genoss*innen, Menschen, denen ich unzählige Male zur Seite gestanden habe –, die an die Grenze zu Gaza gingen, um die Belagerung zu durchbrechen, aus Solidarität mit der Sumud-Flottille, die sich dem belagerten Streifen näherte. Wir wurden von bewaffneten Soldat*innen empfangen. Dennoch durchbrachen 15 von ihnen den Zaun.
Drei Personen wurden festgenommen. Eine Stunde lang blockierten sie den Zugang für genau die Soldat*innen, die den Völkermord in Gaza verüben. Mit Ihrer Unterstützung, konnten wir die Nachrichten über unseren alternativen Medienkanal Resistance Solidarity Network in die Welt tragen. Mehr denn je arbeiten wir daran, Nachrichten aus der Bewegung vor Ort in die Welt zu tragen, um unsere Unterstützer*innen weltweit zum Handeln zu inspirieren. Bitte spenden Sie, um unsere Arbeit als Resistance Solidarity Network zu unterstützen, unsere unabhängige Medienplattform, die über Geschichten wie diese berichtet, die von den israelischen und internationalen Medien nur am Rande behandelt werden.
Diese Stunde an der Grenze war wichtig. Sie war nicht symbolisch, sondern eine Unterbrechung der Kette der Vernichtung. Es waren Menschen, die sich mit ihrem Körper dem Völkermord in den Weg stellten. Die Aktivist*innen, die den Zaun überquerten, handelten mit dem gleichen Mut wie diejenigen an Bord der Flottilla, die jetzt in israelischen Gefängnissen inhaftiert sind und gefoltert werden. Darunter sind Verweigerer*innen, die Sie in der Vergangenheit unterstützt haben, wie Itamar Greenberg, der 197 Tage im Gefängnis verbrachte, Roman Levin, der 2019 82 Tage im Gefängnis verbrachte, und andere.
Die Aktion an der Grenze zu Gaza fand inmitten einer globalen Eskalation statt, als sich die Menschen mit voller Kraft gegen den Völkermord erhoben. Während wir die Nachricht vom Waffenstillstand und der Freilassung aller Geiseln feiern, dürfen wir nicht zulassen, dass der Waffenstillstand unseren Widerstand gegen den israelischen Kolonialismus zum Schweigen bringt. Wir brauchen die globale Bewegung in Solidarität mit Palästina, um diesen Waffenstillstand durchzusetzen und auf einem Ende der Besatzung zu bestehen. Die jüngsten Aktionen zur Unterstützung Palästinas deuten darauf hin, dass wir dafür die notwendige internationale Unterstützung haben. Während israelische Aktivist*innen die Grenze zu Gaza überquerten, versuchte die Sumud-Flottille, die Belagerung von Gaza zu durchbrechen, und Italien*innen marschierten und protestieren auf den Straßen der großen Städte Italiens im Rahmen eines landesweiten Generalstreiks gegen den Völkermord. Sie blockierten Züge, Autobahnen, Häfen und mehr, um das Land lahmzulegen. Wir erleben derzeit eine Bündelung der Kräfte auf der ganzen Welt. Der Waffenstillstand kam zwar scheinbar von oben, war jedoch eine direkte Reaktion auf den globalen Widerstand, ein Versuch, die Solidarität zu unterdrücken.
Wir vom Resistance Solidarity Network setzen uns dafür ein, dass diese Akte des Widerstands weltweit bekannt werden. Wir erzählen die Geschichten, die der Staat zu verschweigen versucht.
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