Allen Ukrainer*innen das Recht auf Schutz innerhalb der Europäischen Union gewähren

Wir veröffentlichen hier einen sehr persönlichen Text von Igor Romanchuk, einem ukrainischen Aktivisten der der Postsowjetischen Linken (einer Organisation von Aktivist*innen in und aus vielen Ländern, die ehemals der UdSSR angehörten), in dem er darstellt, warum er und viele andere sich weigern, für das ukrainische Regime zu kämpfen, während ihnen gleichzeitig mittlerweile die Rechtsgrundlage für ein Leben bei uns von der EU entzogen wird.

Die Postsowjetische Linke mit ihrem Transparent auf einer Demo zum 1. MaiIch gehöre zu den über einer Million ukrainischen Männern, die in Europa leben und sich weigern, an diesem Krieg teilzunehmen. Ich bitte sie, allen ukrainischen Männern, einschließlich derer, die gerade ankommen, das Recht auf Schutz in der Europäischen Union zu gewähren, damit sie hier bleiben und arbeiten können – unabhängig davon, ob sie ihre Wehrpflicht in der Ukraine erfüllt haben oder nicht und wie sie aus dem Land geflohen sind.

Seit dem 5. August dieses Jahres, nach dem Inkrafttreten neuer Beschränkungen auf europäischer Ebene, haben sich die humanitären Folgen des Krieges erheblich verschärft. Die ukrainische Hauptstadt Kiew wird ebenso wie viele andere Regionen des Landes nun täglich bombardiert, und das zu Beginn eines Winters, der sich bereits als der härteste seit Kriegsbeginn abzeichnet.

Das bedeutet, dass Millionen von Zivilist*innen ohne Heizung, Strom und sogar ohne Wasser auskommen müssen. Und das alles, während das ukrainische Militär weiterhin Terror unter der eigenen Bevölkerung verbreitet, indem es Menschen gegen ihren Willen auf der Straße, an öffentlichen Orten und sogar an ihrem Arbeitsplatz zwangsweise einzieht. Wir scheuen uns nicht, unser Land, unsere Familien und unsere Freiheit zu schützen. Wir wollen einfach weder töten noch sterben für diejenigen, die an der Macht sind.

Wir wollen nicht für diejenigen töten und sterben, die die unverzichtbare finanzielle Hilfe der EU systematisch zweckentfremden, um sich neue Yachten, prächtige Anwesen und Luxusautos zu leisten, während der Krieg bereits Dutzende Millionen Ukrainer*innen an den Rand des Überlebens getrieben und weitere 4,5 Millionen gezwungen hat, ihre Heimat zu verlassen, um in der Europäischen Union Zuflucht zu suchen.

Wir, die Ukrainer*innen, sind diejenigen, die eure Familien im Krankenhaus versorgen und eure Kinder in der Schule unterrichten. Wir sind es, die sich um eure Eltern kümmern, wenn niemand anderes dazu bereit ist. Wir arbeiten jeden Tag hart daran, Europa zu einem Ort zu machen, an dem es sich für alle gut leben lässt. Und wir verlangen nichts weiter als Respekt und eine gerechte Behandlung. Und ich glaube, dass das Recht, sich an diesem Blutbad nicht zu beteiligen, schlichtweg das Recht auf Leben ist.

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